Mark Seibert – Musicals! – Ein musi(c)alisches Lebenszeichen aus dem Ebertbad Oberhausen

Mark Seibert
(c) Sound of Music

Das Virus und der damit verbundene erneute Lockdown bremst unser aller kulturelles Leben weiterhin aus. Noch härter als die Theater- und Konzertbesucher, denen ein wichtiger Teil ihrer Freizeitbeschäftigungen verloren geht, sind die Künstler, Kunstschaffenden und der große Kreis derjenigen, die normalerweise in dieser Branche ihren Lebensunterhalt verdienen betroffen. Zum Leidwesen der Betroffenen heißt es in dieser Zeit nicht künstlerische Leistungen vor einem begeisterten Publikum zelebrieren zu können oder zu dürfen, sondern verlangt eher danach, die massiven Einschränkungen und Verbote seinen Beruf ausüben zu dürfen, finanziell und psychisch zu überleben.

Kunst bedeutet glücklicherweise jedoch auch noch etwas Anderes, nämlich mit viel Kreativität und Einfallsreichtum versuchen neue Wege zu finden den Kontakt zum Publikum nicht zu verlieren. Aus diesem Grund finden auch immer mehr Streamingangebote diverser Anbieter in sehr unterschiedlichen Qualitäten den Weg ins Netz.

Mit „Mark Seibert – Musicals!“ wagt sich das bewährte Team von Sound of Music um Andreas Luketa genau am Valentinstag bereits an seinen zweiten Livestream. Wie auch der vor ein paar Wochen gezeigte „Gentlemen of Musical“, mit Jan Ammann, Kevin Tarte und deren Gästen, kommt dieser ebenfalls aus dem Wohnzimmer des musi(c)alischen Ruhrgebiets, dem Ebertbad in Oberhausen.

Thomas Hohler, Mark Seibert
(c) Sound of Music

Ebenso wie beim ersten Livestream, greift Luketa dazu auf die technische Erfahrung von Thomas Nitowski von Canomedia.tv zurück, welcher mit seinem Kamerateam und Streaming Director Florian Albers für ein allzeit gutes Bild eine weitestgehend störungsfreie Übertragung des Abends sorgt. Unterstützt wird er dabei von den Licht und Tonkünstlern der Sound of Music Familie Markus Danne und Matthias Vierjahn. Gemeinsam haben sie die kleinen soundmäßigen Unwegsamkeiten zu Beginn umgehend im Griff, sodass einem hervorragenden Konzertvergnügen nichts mehr im Wege steht. Auch die für diesen Zweck außerordentliche wichtige Bildübertragung bleibt stabil. Das Bühnengeschehen wird von Petra Knepper, Annika Nehf und Thomas Nitowski aus unterschiedlichen Perspektiven sehr ansehnlich in Szene gesetzt.

Dennoch ist es alles anders als gewohnt. Kann man einen Blick in den Innenraum erhaschen, fühlt sich der sonst gemeinsam genutzte Wohlfühlort unvollständig an. Die bekannten Stuhlreihen sind weggeräumt, stattdessen wird der dadurch gewonnene Platz für Podeste der Kameras genutzt, die die Musik in die heimischen Wohnzimmer transportieren sollen.

Um die Wartezeit bis zum Start zu überbrücken gewährt Sound of Music Concerts vorab als Appetithappen eine dreiviertel Stunde lang spannende Einblicke in eine weitere Streamingkonzertreihe, in der Andreas Bieber, Maya Hakvoort, Mate Kamaras, mit Natsuki Yamaguchi an seiner Seite und Stephan Kanyar am Flügel, Vera Bolten mit Alex Melcher und nicht zu vergessen die charmante Michaela Schober mit ihren Gästen zu sehen und natürlich zu hören sind.

Pünktlich um 17 Uhr beginnt dann: „Mark Seibert – Musicals!“

Ganz pur. Nur mit Flügel, an dem Marina Komissartchik wie gewohnt, eine große Band nicht vermissen lässt und zu deren ersten Tönen von „Ein Traum ohne Anfang und Ende“ aus dem Musical „Die Päpstin“ Seibert die Bühne betritt. Ein Konzert ohne Zuschauer ist auch für Mark ein Novum und aus diesem Grund ist er auch ziemlich nervös, gibt er unumwunden zu. Jedoch überspielt er das gewohnt professionell, mit einer launigen Begrüßung an all die Daheimgebliebenen. Die Moderationen führt er auch während des Konzertes fort und knüpft damit auf unterhaltsame Art und Weise Showblöcke und einzelne Songs aneinander. Dennoch spürt man, dass die gewohnte Interaktion mit dem Publikum an dieser Stelle auch ihm fehlt.

Marle Martens, Mark Seibert
(c) Sound of Music

Mark Seibert ist jedoch nicht allein gekommen. Musikalische Unterstützung bekommt er von Marle Martens, mit welcher er bereits in verschieden Produktionen gemeinsam auf Bühne stand. Gleiches gilt für Thomas Hohler, der, wie beide während des Konzertes feststellen, zuletzt in Shanghai bei „Mozart!“ mit Seibert die Bühne teilte. Eine Kostprobe dessen wie gut die drei miteinander harmonieren, wird gerne gereicht. Sowohl Mark und Marle mit „Träum groß“ aus Schikaneder, welches 2016 in Wien seine Uraufführung feiern durfte, als auch Mark und Thomas mit „Die Schatten werden länger“ aus dem Welterfolg „Elisabeth“, lassen die großartigen Produktionen für den Augenblick im beschaulichen Ebertbad lebendig werden. Doch nicht nur grandiose Duette, sondern auch gefühlvolle Soli halten die drei für die Zuschauer bereit. Das wunderbar von Marle Martens dargebotene „She used to be mine“ aus „Waitress“ gehört sicher auch zu der Art von Songs, von denen man an anderer Stelle gerne einmal mehr hören würde. Thomas Hohler, als Mozart mit „Warum kannst Du mich nicht lieben“ macht ebenfalls eine gute Figur.

Als besonderes Highlight des Abends gewährt Mark dem Zuschauer einen kleinen Einblick in „Robin Hood“ das Musical von Chris de Burgh und Dennis Martin, welches eigentlich im letzten Sommer bereits Welturaufführung in Fulda feiern sollte. Besonders das von Seibert gefühlvoll dramatische „Ich flieh in den Krieg“ macht definitiv Lust auf mehr. Für dieses und für „Endlich frei sein“ welches er gemeinsam mit Marle performt, holte sich Seibert nach eigenen Aussagen sogar vorab die Genehmigung von „Sir Chris de Burgh himself“ ein, die Songs schon vor der Premiere präsentieren zu dürfen.

Das Programm welches Andreas Luketa für den Abend zusammengestellt hat, lässt wie gewohnt, keine Wünsche offen. Großartige Melodien sowohl aus weltbekannten Musicals wie Tanz der Vampire oder Les Misérables wechseln sich geschickt ausgewählt mit Songs aus Broadway oder West End Shows ab, die nicht bei jedem Konzert präsentiert werden. Gerade große Produktionen, wie beispielsweise Mozart, bieten dafür ein wahres Füllhorn an Möglichkeiten, die mit „Der einfache Weg“ oder „Wie kann es möglich sein“, auch genutzt werden. In diesem bunten Potpourri ist für jeden Geschmack etwas dabei; und Seibert versteht es blendend die Zuschauer mit auf diese Reise quer durch die Musicalwelt zu nehmen. Ihren gemeinsamen Abschluß finden die drei mit „Falling slowly“ aus dem Musical „Once“. Im Übrigen einzige des Abends an dem alle beteiligt sind.

Mark Seibert
(c) Sound of Music

Die etwas mehr als 2 Stunden vergehen wie im Flug und – weil in diesem Fall theoretisch tatsächlich möglich – würde man am liebsten auf den „Repeat-Knopf“ drücken und das Konzert noch einmal anschauen. Zumindest akustisch ist dies für alle, die dieses Konzert auch gesehen haben, bald möglich. Die im Ticketpreis inkludierte CD ist schon auf dem Weg der Produktion, sodass man den großartigen Abend nochmals Revue passieren lassen kann.

Denn genau das war es: Ein großartiger Abend, wenn auch auf eine etwas andere Art. Sicher nicht mit einem Live-Erlebnis zu vergleichen, dennoch durchweg mehr als sehenswert. Allerdings hätten sicher alle gerne den wohl verdienten Applaus an Mark, Marle und Thomas herangetragen. Fazit ist, dass Livestreams durchaus eine Möglichkeit ist, die Musik weiter genießen zu könne, jedoch wird kein Stream das Live-Erlebnis ersetzten könne. Hoffen wir also, dass bald alle Künstler und Zuschauer Konzerte und Theater wieder live vor Ort und gemeinsam erleben dürfen.