#TeamJavert – Interview mit Jeremy Secomb

(c) Adam Hill – MUG

Englische Version des Interviews

Jeremy Secomb spielt momentan wohl einen der meist geliebten Bösewichte Londons. Egal ob man zum #TeamValjean oder zum #TeamJavert hält, man muss die atemberaubende Performance von ‚Stars‘, die er Abend für Abend zum Besten gibt, einfach lieben. Seit Jeremy nach England kam, hat er in diversen großen Produktionen, u.a. Das Phantom der Oper, Evita und Sweeney Todd, mitgespielt. Vor kurzem erst, konnte er sogar in der Rolle des dämonischen Barbiers aus der Fleet Street sein Debut in New York feiern. Für die Rolle wurde er sogar für den Drama Desk sowie den Theatre World Award nominiert. Letzteren gewann er in der Kategorie „Outstanding Broadway or Off-Broadway Debut“. Aktuell kann man bis Mitte Juli Jeremy Secomb noch in der Rolle des Javert in der Londoner Produktion von Les Misérables erleben.

Lena Gronewold: Du kommst ursprünglich aus Australien, was hat dich nach London verschlagen?

Jeremy Secomb: Als ich nach London gekommen bin, hatte ich gerade zweieinhalb Jahre im Phantom der Oper in Australien und Neuseeland mitgespielt. Danach gab es dort nicht wirklich die Möglichkeit, andere Rollen zu spielen. Da mein Großvater Engländer war, konnte ich aber zum Glück einem Visum für Großbritannien bekommen und bin seitdem hier.

Lena Gronewold: War es immer dein Traum, auf der Bühne zu stehen?

Jeremy Secomb: Als ich die Schule abgeschlossen hatte, wusste ich nicht so recht, was ich machen wollte, also habe ich einen Job in einer Bank angenommen und es dort gehasst. An dem Punkt habe ich aber noch gar nicht daran gedacht, professionell Musik zu machen. Mein erstes Musical habe ich mit 22 Jahren in Sydney gesehen und dort festgestellt, dass ich mir das als Beruf vorstellen könnte.

Jeremy Secomb beim West End Live 2017 (c) Maybe Musical/Lena Gronewold

Lena Gronewold: Im Moment spielst du Javert in Les Misérables. Um ehrlich zu sein, habe ich es noch nie erlebt, dass die Menschen im Publikum so applaudiert haben, nachdem ein Charakter stirbt. Du hast den Applaus definitiv verdient, aber ist es nicht trotzdem seltsam Applaus zu bekommen, nachdem man auf der Bühne Selbstmord begangen hat?

Jeremy Secomb: Es ist wirklich eine komische Sache. Es wird auch nicht immer applaudiert, aber häufiger als das kein Applaus kommt. Ich hoffe natürlich, dass die Menschen im Publikum wegen meiner Leistung applaudieren und nicht, weil Javert tot ist. Ich persönlich mag es aber am liebsten, wenn es nach dem Lied still bleibt.

Lena Gronewold: Bevor du zu Les Misérables gekommen bist, hast du im Phantom der Oper mitgespielt. Beide Stücke spielen seit mehr als 30 Jahren mit großem Erfolg. Was denkst du macht den Erfolg dieser Shows aus?

Jeremy Secomb: Die Sterne standen damals günstig für diese großen Long-run Blockbuster Shows. Es war eine unglaubliche Zeit für die kreativen Köpfe, wie auch für die damaligen Besetzungen. Eines das alle diese Erfolgsstücke gemeinsam haben ist, dass sie von Cameron Mackinstosh produziert werden. Er war und ist noch immer ein Visionär in seinem Bereich. Zum anderen sind da dann große Komponisten und Autoren, wie Andrew Lloyd Webber/Charles Hart oder Michel Schonberg/Alan Boublil, und fantastische Direktoren, Choreografen, Designer, Musiker, usw. Es war wirklich eine großartige Zeit für Shows wie diese. Sie haben die Leute begeistert und dabei ist es bis heute geblieben.

Lena Gronewold: Wenn wir gerade vom Phantom sprechen, du hast die Rolle während deiner Zeit dort gecovert. Könntest du dir vorstellen die Rolle mal Vollzeit zu spielen?

Jeremy Secomb: Das wäre ein absoluter Traum, das irgendwann in der Zukunft mal zu machen. Aber das entscheide leider nicht ich.

Lena Gronewold: Letztes Jahr, als alle drei Darsteller für das Phantom ausfielen, bist du quasi noch in Javerts Kostümierung rüber gerannt und hast die Show gerettet, indem du die Rolle des Phantoms übernommen hast. Ist es merkwürdig zwei so große Rollen innerhalb weniger Tage zu spielen?

Jeremy Secomb: Das waren ein paar ganz verrückte Tage. Ich finde es immer noch seltsam, dass mein Gehirn sich nach mehr als einem Jahr, seit ich die Show das letzte Mal gespielt hatte und zwischen durch ja in zwei anderen Produktionen war, an den Text erinnern konnte. Ich war irgendwie beeindruckt, dass das alles noch da war. Und zwei solche Kult-Rollen in so kurzer Zeit zu spielen, ist definitiv etwas, dass ich nie vergessen werde.

Jeremy Secomb mit Siobhán McCarthy in Sweeney Todd (c) Bronwen Sharp

Lena Gronewold: Du hast auch sehr erfolgreich in einer Produktion von Sweeney Todd mitgespielt, sowohl in London als auch in New York. In einem Musical in New York auf der Bühne zu stehen, ist das der Traum eines jeden Darstellers, der für dich plötzlich Realität wurde?

Jeremy Secomb: Ich denke, davon träumt jeder Darsteller, gefragt zu werden, ob man eine Rolle, die man in einer andere Produktion schon einmal übernommen hat, in New York spielen zu dürfen. Für mich war das ein Traum, der wahr wurde.

Lena Gronewold: Mit so vielen Erfolgsproduktionen in denen du bereits auf der Bühne standest, gibt es da noch Wunschliste für die Zukunft?

Jeremy Secomb: Ich hatte das Glück, im Verlauf meiner Karriere in einer Reihe großartiger Stücke auf der Bühne zu stehen und mit tollen Menschen arbeiten zu dürfte. Es gibt natürlich immer noch Rollen, die ich gerne mal spielen würde und darauf arbeite ich hin. Mein Ziel ist es aber, vor allen weiter in der Musicalbranche zu arbeiten und gute Arbeit zu leisten.

Lena Gronewold: Auf der CD von Nadim Naaman (Raoul im Phantom der Oper) hast du einen Song gesungen. Ist ein eigenes Album auch auf der künftigen To-Do-Liste?

Jeremy Secomb: Das ist auf jeden Fall etwas, das ich gerne machen würde.

Lena Gronewold: Wenn man sich anschaut, wie viel Spaß ihr Augenscheinlich im Theater miteinander habt, sieht es so aus als wäre die Theaterwelt eine große, glückliche Familie. Ist das die Realität oder spürst du auch den Druck und den Konkurrenzkampf?

Jeremy Secomb: Natürlich gibt es Konkurrenz in der Branche, das ist unvermeidbar. Aber ich denke, in den meisten Fällen ist das eher freundschaftliche Konkurrenz. Ich wünsche jedem meiner Kollegen das Beste und gönne ihnen ihren Erfolg. Aber wenn du teil eines Ensembles bist, dann werden die Kollegen auf jeden Fall eine Art Familie, da man so viel Zeit miteinander verbringt.

Lena Gronewold: Du verlässt Les Misérables Mitte Juli. Kannst du uns schon Hinweise geben was du danach machst?

Jeremy Secomb: Keine Hinweise im Moment. Folgt mir auf Twitter (@JeremySecomb), wenn es etwas zu verkünden gibt, seid ihr die ersten die es erfahrt.