Meisterwerk oder Katzenjammer – CATS auf großer Deutschland Tour!

(c) CATS

Man kann CATS lieben… oder eben nicht. Genauso sieht die Situation zwischen zwei unserer Redakteure aus. Er begeisterter Katzenliebhaber der ersten Minuten, sie Skeptikerin und eher auf Katzenjammer eingestellt.

Sicherlich wird das nicht nur bei uns so sein, dass es sehr gespaltene Meinungen über den Klassiker von Andrew Lloyd Webber gibt. Obwohl das Stück seit der Uraufführung 1981 große Erfolge feiert, gibt es auch viele Musicalfans, die mit dem Stoff so gar nichts anfangen können. Das Musical, welches die Geschichte der Jellicle-Cats und ihres alljährlichen Balls erzählt, gewann in der Vergangenheit zahlreiche internationale Theaterpreise. Zuletzt unter anderem 2015 den Laurence Olivier Award für das „Beste Musical Revival“. Genau die prämierte Inszenierung aus dem Londoner West End ist nun auf Tour und macht auch in sechs deutschen Städten Halt. Mit einer international renommierten Besetzung touren Grizabella, Rum Tum Tugger und Macavity mit der englischsprachigen Originalversion von München über Berlin, Frankfurt, Baden-Baden und Bremen nach Duisburg, bevor es anschließend nach Norwegen und Schweden geht.

Für unseren Bericht haben wir uns diese Mal etwas Neues überlegt, um einem alten Stück vielleicht in unserem Review mal eine andere Betrachtung zu zeigen. Katzen-Kritiker und Katzen-Befürworter schreiben beide, wie es ihnen ganz persönlich gefallen hat und nehmen Euch mit in einen Abend voller gemischter Gefühle.

Lena, generelle Katzen-Kritikerin: Ich gebe es offen zu, die Aussicht einen Abend im Theater zu verbringen und CATS anzuschauen, hat mich nicht in ekstatischer Freude erfüllt. Man kann von den Stücken von Andrew Lloyd Webber halten was man will, ich persönlich mag seine dramatischen Stücke, wie das Phantom der Oper, aber auch Liebe stirbt nie, deutlich lieber als die Musik von CATS oder Starlight Express. Kein Wunder also, dass ich mit gemischten Gefühlen ins Theater gegangen bin. Tour-Station meiner Wahl war Berlin. Hier tobten die Katzen für zehn Tage im Rahmen des Sommerfestivals im Admiralspalast über die Bühne.

Der Abend im Admiralspalast hat mich schlussendlich zwiegespalten zurückgelassen. An den großartigen Stimmen von Darstellern wie John Brannoch (Rum Tum Tugger), Tony McGill (Gus/Bustopher Jones), Adam Linstead (Old Deuteronomy), Charlotte Scott (Jellylorum/Grinddlebone) oder Matt Krzan (Munkustrap) ist absolut gar nichts auszusetzen. Gesanglich, darstellerisch, aber besonders auch tänzerisch leistet die gesamte Cast erstklassige Arbeit, die man sonst im deutschsprachigen Raum nur auf wenigen Musicaltourneen finden wird. Tänzerische Darbietungen wie von Sophia McAvoy (Victoria/White Cat), Jak Allen-Anderson (Admetus/Macavity) oder Robbie McMillan (Mistoffelees) zeigen, wie herausragend die Künstler in dieser Produktion sind.

Munkustrap, Anführer der Jellicles (c) Allesandro Pinna

Das ist alles gut und schön, wäre da nicht das Stück an sich. Basierend auf einem Buch von T.S. Elliot mit Texten von Trevor Nunn und der Musik von Andrew Lloyd Webber wirkt das Stück trotz der großartigen Darsteller eher wie eine Aneinanderreihung von Lieder. Ein reeller roter Faden, eine zusammenhängende Handlung geschweige denn eine tiefergehende Geschichte habe ich vergebens gesucht. Und das ist es, was mich stört. Lieder wie „Jellicle Songs for Jellicle Cats“ oder „The Rum Tum Tugger“ gehen zwar ins Ohr, aber sie alleine retten den Abend nicht. Dazu kommt: Singende und tanzende Katzen? Ok, damit habe ich mich nach zwei Stunden Katzenjammer abgefunden, aber dann schwebt die auserwählte Katze plötzlich gen Himmel? Ja, natürlich, wo sollte der Heaviside Layer sonst liegen und auch eine nette Umsetzung für eine Tour-Produktion, aber irgendwie war mir das doch zu viel des Guten.

Weiterer Knackpunkt waren, wie so häufig im Admiralspalast, der Ton und das Licht aber auch die Übersetzung der englischsprachigen Texte. Zwar war es diesmal nicht, wie sonst häufig so, dass der Ton kaum verständlich war, diesmal war es eher umgekehrt der Fall. In Szene in denen ausschließlich das hinter der Bühne versteckte Orchester spielte, war es viel zu laut, sodass man in der sechsten Reihe regelrecht in seinen Sitz gedrückt wurde. Szenen mit Gesang waren da deutlich besser eingepegelt und angenehmer für die Ohren. Lichttechnisch hat sich die Produktion viel Mühe gegeben und den Zuschauerraum mit Lichterketten mit beleuchtet, jedoch standen die Solisten häufig nicht im Licht was Schade war, da man so ihre sehr guten Darbietungen immer nur zum Teil gut erkennen konnte. Dritter technischer Tiefpunkt waren die Tafeln links und rechts der Bühne auf denen deutsche Übersetzungen der englischen Texte gezeigt werden sollten. Dies funktionierte leider nur bedingt, häufig wurde kein Text angezeigt oder nur sehr vereinzelte Bruchstücke. Für den einen oder anderen wäre ein solche Anzeige, wenn sie denn funktioniert, sicher ein netter Zusatz gewesen, um die Show besser verfolgen zu können.

Alles in allem bleibe ich bei meiner Meinung zu Cast. Ich bin vollkommen überzeugt von der Leistung aller Darsteller. Großartige Talente wie John Brannoch und Matt Krzan überzeugen mich auf ganzen Linie, diese erstklassige Arbeit könnte man aber sicher auch in anderen Stücken bewundern, denn CATS an sich kann mich in keinster Weise für sich gewinnen.

 

Maximilian, Katzenenthusiast: Ich war damals, im Herbst 2003, gerade einmal zehn Jahre alt, als ich durch eine Verkettung von Zufällen die Möglichkeit erhielt, im mittlerweile geschlossenen Theater am Potsdamer Platz, „Cats“ zu sehen. Es war auf Deutsch, es war in sich einfach stimmig und perfekt. Das Bühnenbild, das hier eher untraditionell auf einer Schaukastenbühne aufgebaut war, setzte sich trotzdem bis in den Zuschauerraum fort und so hing ein überdimensionales Fahrrad an der linken Wand. Auch auf der Bühne bekam man schnell den Eindruck, dass man sich darauf einlassen kann, es aus der Perspektive einer Katze zu sehen: Ein Backofen so groß wie ein ausgewachsener Mensch, ein Reifen der jeden Traktor blass aussehen lässt und überall kleine Details. Es war einfach ein Erlebnis, dass sich über die Jahre in mir gefestigt hat und da es mein erstes Musical überhaupt war, vielleicht sogar das Stück war, weswegen ich heute hier sitze und über Musicals schreibe.

Das CATS Ensemble (c) Allesandro Pinna
Ja, bei der derzeitigen Produktion handelt es sich um eine Tournee aus London und entsprechend war das Stück auf Englisch. Hätte ich es damals mit meinen zarten zehn Jahren trotzdem gut gefunden? Ich bin mir nicht sicher, ich war damals nicht so der englischen Sprache mächtig, habe mir aber auch nach meinem Besuch unzählige Male – auf Videokassette – die Aufzeichnung mit Elaine Paige angesehen und fand das hingegen sehr großartig.
Die Handlung ist auch entsprechend schlicht gehalten. Ich behaupte, dass das sogar ein Stück zum Erfolg von „Cats“ aber auch „Starlight Express“ beigetragen hat. Es ist eine einfache Handlung, eingängige Musik und ein stimmiges Gesamtpaket. Ich behaupte auch dreist, dass Cats in anderen Inszenierungen nicht so gut funktioniert, wie es die Inszenierung von Trevor Nunn nun einmal tut. Und die kurz gehaltene Handlung ermöglicht es auch, dem Musical zu folgen, ohne ständig auf die Übertitelungsanlage zu schauen. Dort wurde immerhin zu jeder Szene eine kleine Inhaltsangabe gegeben, die aber auch völlig ausreicht. Ich denke auch, dass jeder irgendeine Katze oder einen Kater findet, mit dem er sich identifizieren kann. Bei mir ist das vielleicht Skimbleshanks. Insgesamt bleibt zu sagen, dass die derzeitige Tourneeproduktion gerade für Liebhaber des Musicals zu empfehlen ist, da kaum spürbare Abstriche gemacht wurden und man sich ganz und gar der Musik hingeben kann. Die Darsteller singen auf einem absoluten Top-Niveau, das man hierzulande nur selten sieht.
Wer das Stück noch in Deutschland erleben möchte, hat bis zum 17. September die Chance, dann tanzen die Katzen vorerst durch Norwegen und Schweden. Anschließend gibt es aber auch noch einmal einen Tourstop in Köln ab dem 8. November. Alle Infos und Tickets gibt es HIER.