Hinterm Horizont – Es geht weiter in Hamburg

(c) Stage Entertainment
(c) Stage Entertainment

Nach fünf Jahren ist die Zeit gekommen und das Musical Hinterm Horizont nimmt Abschied aus Berlin. Aber es ist kein endgültiger Abschied von der Bühne, das Stück zieht weiter nach Hamburg. Zum Abschied schauen wir noch einmal zurück auf fünf erfolgreiche Jahre in Berlin

Udo Lindenbergs Mädchen aus Ostberlin, sie ist es, die die Geschichte des Stückes dominiert. Gleich zu Beginn ist es Reporterin Mareike (Constanze Priester), die sie findet: Jessy Schmidt (Jessy heute: Nadja Petri), Udos Mädchen aus Ostberlin. Jessy erzählt Mareike und dem Publikum was damals geschah, wie sie Udo (Serkan Kaya) kennenlernte und die beiden sich Hals über Kopf ineinander verliebten. Jessy (Eve Rades), damals Mitglied im Haus der jungen Talente und Auserwählt, um vor Udo Lindenbergs Konzert in Ostberlin zu singen, trifft den jungen Wilden. Beide sind sofort fasziniert voneinander. Die Stasi vor Ort (Uwe Dreves und Till Schubert) jedoch ist weniger begeistert und schreitet ein. Jessy und Udo gelingt es jedoch, ihre aufkeimende Romanze zu mindestens für einen kleinen Moment zu leben. Unterdessen kommt es vor dem Palast der Republik zu Auseinandersetzungen zwischen der Stasi und den Fans von Udo Lindenberg, denen der Zugang zum Konzert verwehrt wird. Zu diesen Fans gehört auch Jessys Bruder Elmar (Marcus Schinkel). Elmar ist frustriert von den Beschränkungen durch die DDR Regierung und würde nichts lieber tun, als aus der DDR zu verschwinden. Dies ist jedoch nicht so einfach. Besonders nicht, seit seine Schwester Udo Lindenberg kennengelernt hat und die Stasi sie nun im Blick hat.

Die Stasi ist unterdessen von Sorgen geplagt. Udo Lindenberg plant eine Tour durch die DDR, die bereits genehmigt wurde. Der Genosse Minister (Rainer Brandt) ist jedoch unzufrieden damit und so muss ein Plan her. Ein eigener Udo soll die Massen begeistern, die Operation Lederhose läuft an. Jedoch nicht von Erfolg gekrönt, ist es am Ende doch Udo Lindenberg, der die Bühne erobern wird.

(c) Maybe Musical/Lena Gronewold
(c) Maybe Musical/Lena Gronewold

Jessys Bruder Elmar ist unterdessen von der Stasi verhaftet worden, als er beim Versuch erwischt wurde, einen Brief von Jessy an Udo in den Westen zu schmuggeln. Um Elmar aus den Klauen der Stasi zu befreien, erklärt sich Jessy nach Überredung durch ihren Vater (Oliver Trautwein), bereit IM der Stasi zu werden. Sie soll ihnen alles über Udo erzählen. Elmar, nun wieder frei, hält jedoch der Unterdrückung nicht stand und flieht in den Westen. Von dort gelingt es ihm, Jessy eine Nachricht zukommen zu lassen, sodass diese nach Moskau reisen und Udo wieder treffen kann. Zu mindestens für einen kurzen Moment leben die beiden ihre leidenschaftliche, junge Liebe. Dies bleibt jedoch nicht ohne Folgen. Jessy ist schließlich zurück in Berlin. Allein und schwanger. Sie ist entschlossen, das Kind zu bekommen. Die Stasi bedrängt sie jedoch noch immer, vor allem seit sie einen Ausreiseantrag gestellt hat. Jessy weiß sich schließlich nicht mehr anders zu helfen und heiratet Marco (Jakob Nienhaus), Sportler und Schützling ihres Vaters. Jessy bekommt ihren Sohn Steve, ihre Ehe steht jedoch unter keinem glücklichen Stern. Marco ist aggressiv und Jessy flieht häufig zu ihren Eltern. So kommt es, dass sie auch am Abend des Mauerfalls dort ist. Gemeinsam mit ihrer Mutter (Kathleen Bauer) und vielen anderen strömt sie in den Westen. Dort trifft sie nicht nur Bruder Elmar, sondern auch Udo. Dieser hat jedoch inzwischen erfahren, dass Jessy IM war, weiß jedoch nicht, dass sie ihn nie verraten hat und so kommt es zum Zerwürfnis zwischen ihnen.

(c) Maybe Musical/Lena Gronewold
(c) Maybe Musical/Lena Gronewold

Zurück im Heute wird klar, dass Jessy ihrem Sohn (Johannes Huth) nie die Wahrheit über seinen Vater gesagt hat. Sie ist immer noch mit Marco verheiratet (Marco heute: Oliver Trautwein) und Steve, glaubt Marco sei sein Vater. Mareike bringt die drei schließlich wieder zusammen, bei einem Casting für Udo Doppelgänger. Udo, geschockt von den Offenbarungen über Jessy und seinen Sohn, fängt sich jedoch schnell wieder und erzählt seinem Sohn aus der wilden Vergangenheit. Und auch für Jessy und Udo gibt es ein Happy End. Die beiden lieben sich immer noch.

 

Hinterm Horizont ist eine emotionale Berg- und Talfahrt. Immer wieder werden Originalbilder und Nachrichten aus der Zeit gezeigt. Besonders der Mauerfall löst beim Publikum Emotionen aus, vor allem dann, wenn man bedenkt, dass ein Großteil des Publikums sicher eigene Erinnerungen an den Abend des 9. November 1989 hat. Aber auch die jüngeren Zuschauer werden gepackt von der Atmosphäre, sodass es kaum jemanden gibt, der keine Gänsehaut bekommt.

 

(c) Maybe Musical/Lena Gronewold
(c) Maybe Musical/Lena Gronewold

Hauptdarsteller Serkan Kaya, der bereits seit der Premiere 2011 in Berlin auf der Bühne steht, ist Udo. Der gebürtige Leverkusener wird zu Udo Lindenberg und hat dessen Mimik, Gestik und auch Stimmlage so sehr verinnerlicht, dass man im ersten Moment daran zweifelt, dass es ein Darsteller und nicht Lindenberg selbst ist, der dort die Bühne rockt. Im Zusammenspiel mit Eve Rades als Jessy, kehrt Kaya jedoch manches Mal auch den Spaßvogel heraus und scheint teils mehr auf seine Albereien als den Text konzentriert. Dies tut seiner Interpretation des Udo Lindenberg jedoch keinen Abbruch und zeigt wohl, dass Kaya auch nach 5 Jahren in der Rolle immer noch Spaß dran hat, Hut und Sonnenbrille aufzusetzen.

Eve Rades in der Rolle der jungen Jessy präsentiert sich stimmgewaltig. Sie setzt ihre eigenen Akzente und begeistert mit ihrer Stimme ebenso wie mit ihrer Spielfreude. Sowohl im Duett mit Kaya als auch gemeinsam mit Nadja Petri, als heutige Jessy, oder ihrem Bühnenbruder Elmar, Johannes Huth, begeistert die junge Darstellerin.

Für Begeisterung sorgen ebenso erfahrene Darsteller, wie Rainer Brandt und Uwe Dreves, die als Minister und Stasi Krause voll in ihren Rollen aufgehen. Das Ensemble insgesamt bietet einen Genuss für Ohren und Augen. Gesanglich als auch tänzerisch läuft die gesamte Cast auch kurz vor der letzten Show noch einmal zu Höchstformen auf. Alle zeigen bei schnellen Wechseln ihre Wandlungsfähigkeit, allen voran Oliver Trautwein, der seine letzte Show in der dreigeteilten Rolle von Jessys Vater, dem heutigen Marco und Lindenbergs Bodyguard Eddy Kante spielt, aber auch Jessys Mutter und Udos Pressesprecherin Kathleen Bauer brilliert.

(c) Maybe Musical/Lena Gronewold
(c) Maybe Musical/Lena Gronewold

Der gesamten Berliner Cast gelingt ein würdiger Abschied aus dem Berliner Theater am Potsdamer Platz, welches fortan wohl nicht als Musicaltheater genutzt werden wird. So rocken die Lindenbergs noch das Haus, bevor es nach Hamburg weiter geht, wo sich Veranstalter Stage Entertainment ebensolche Erfolge erhofft wie in Berlin. Ob dies der Fall sein wird, bleibt abzuwarten, da das Stück doch eng mit dem damaligen Geschehen in Berlin verwoben ist und deshalb nicht nur Touristen, sondern gleichzeitig auch Berliner lockt.

 

Hinterm Horizont, das Musical über die Deutsch-deutsche Geschichte und das Mädchen aus Ostberlin ist ab dem 10.November 2016 im Hamburger TUI Operettenhaus zusehen. Tickets und weitere Informationen HIER.